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Future Food

Erfolgreiche Unternehmen haben die Fähigkeit ausgebildet, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln, alte Verhaltensmuster zu überprüfen und sich immer wieder neue Wege zu erschließen. Sie beherrschen die Kunst, nach innen wie nach aussen eine Verständigung zwischen unterschiedlichen Perspektiven und Systemlogiken herbeizuführen.


Eine drastische Intervention hat schon einige Unternehmen dabei unterstützt, mangelnde Offenheit zu thematisieren und mentale Tabus innerhalb der eigenen Organisation zu identifizieren. Die Intervention setzt bei einem Thema an, mit dem sich alle auskennen: Dem Essen. Anhand von Nahrungsgewohnheiten und Nahrungstabus werden mentale Grenzen und die Scheu sich auf Neues einzulassen auf eine sehr unterhaltsame Art erlebbar gemacht.

Das Setting: Nach einem geselligen warming-up mit Begrüßungs-Cocktail wird, als Einstieg in die Veranstaltung, das Buffet eröffnet. Mit diesem Buffet hat es eine besondere Bewandnis. Es besteht zu Teilen aus, für mitteleuropäische Gaumen, ungewohnter Kost. Da wären zum Beispiel:
  • Gebratene Larven auf Sojasauce
  • Gebackene Heuschreckenbeine
  • Gebratene Fleischbällchen von der Kakerlake mit Pinienkernen
  • Haschierter Riesentausendfüßler mit Limone
  • Salat von gekochten Küchenschaben
  • Salamanderhirn mit Orangensauce
Quasi als Frischebeweis tummelt sich eine Auswahl lebendiger Artgenossen in gläsernen Terrarien zu beiden Seiten des Buffets. Präsentiert wird dieses spezielle Buffet von einem eloquenten Wissenschaftler für interdisziplinäre Ernährungspsychologie.

Er referiert mitreißend darüber, daß neues Denken und Handeln in hohem Maße heißt, auch Abschied zu nehmen von zementierten Vorstellungen und Glaubenssätzen. Als Beispiel dienen dem Experten kulturell bedingte Nahrungstabus: Warum wir uns vor manchen Dingen ekeln und vor manchen nicht, ist eine Sache des Kopfes. Kleinkinder kennen keinen Ekel. Sie stecken noch alles neugierig in den Mund. Sie sind im wahrsten Sinne offen für alles. Uns Erwachsenen ist diese Offenheit weitgehend abhanden gekommen. Wir wissen, was richtig ist, wir wissen, was man machen darf und was nicht. Auch die Kategorie "igitt" hat recht klare Konturen. Andere Perspektiven können wir uns kaum vorstellen, geschweige denn, daß wir sie einnehmen könnten.

Der Ernährungswissenschaftler verdeutlicht das mit einer einfachen Umkehrung des provokanten Insekten-Buffets: Was wir jeden Tag vollkommen selbstverständlich an der Käsetheke ordern, löst in anderen Kulturen verständnisloses Kopfschütteln aus: Drüsensekrete von Kühen, vergoren, vergammelt (oft über Monate oder Jahre hinweg), in vielen Fällen von Schimmel durchsetzt... bäääh! Und bei uns heißt das Gorgonzola und ist eine Delikatesse.

Die Konsequenz solch mangelnder Offenheit: Eine Verständigung, ein Austausch mit andersartigen Perspektiven wird quasi unmöglich. Das Buffet dient als Auslöser für anregende Diskussionen. Und ist als Bild ein wirksamer Anker in zukünftigen Auseinandersetzungen auf dem Weg des Unternehmens zu einer höheren Perspektivenvielfalt.

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